An der schönen blauen Donau

Es war nicht das erste und nicht das letzte mal, dass ich in eine Zwickmühle geriet. Einerseits fühlte ich mich ungerecht behandelt und andererseits hatte ich Angst, als kleinlich oder geizig angesehen zu werden. So geschehen auf einer Jazzreise an der schönen blauen Donau: In der Loverfield Jazzband machte ich unseren Bandleader auf eine Spielmöglichkeit auf einer Flussfahrt aufmerksam. Ich dachte natürlich an das Vergnügen, auf einem Boot zu spielen, aber auch an die Verdienstmöglichkeit einer Gage für eine ganze Woche. Ich hatte von einem Kollegen gehört, man verdiene auf einer Kreuzfahrt pro Musiker 1000 Franken die Woche, dazu Kost und Logie sowie die Gratis-Teilnahme der Ehepartnerin. Doch es kam ganz anders. Die Offerte lautete: Anfahrt und Parking des Privatwagens auf eigene Kosten, Gage: keine, Kost und Logie gratis, Halbpreisvergün- stigung für die Partnerin. Die Bandkollegen fanden dies toll - ich überhaupt nicht.

 

Ich konnte meine Magdalena nicht mitnehmen weil wir grundsätzlich unsere beiden Katzen nicht alleine lassen. Somit fiel dieser Nutzen für mich weg. Da ich meine Kabine nur für eine Person nutzte, musste ich einen Zuschlag von 100 Franken bezahlen. Es kommt noch dicker: Am Vortage der Abreise erlitt ich eine Blasenentzündung und musste Antibiotika schlucken, welche mich sehr müde machte: Das Trompetenspiel jeden Abend wurde zur Tortur. Dazu kam die erdrückende Last der Ungerechtigkeit, die an mir nagte. Eigentlich hätte ich eröffnen müssen: "Ich bin krank, ich stehe seit zwei Jahren in der Kündigung, ich verdiene nichts und soll noch einen Aufschlag bezahlen - ich verzichte auf diese Reise!" Doch woher hätten die Kollegen einen Ersatz bekommen können für eine unbezahlte Arbeit ? Zwickmühle! Da musste ich wieder mal durch.

 

Als mich die Antibiotikakur immer mehr ermüdete, machte ich einen Termin mit der Schiffsärztin. Ich wollte versuchen, ein schwächeres Medikament zu bekommen. Ich suchte um 18.00 das Ärztebüro auf und wartete eine halbe Stunde. Die Ärztin war unauffindbar. Ich probierte es mit einem neuen Termin am folgenden Abend. Wie gehabt, die bulgarische Ärztin schwänzte. So setzte ich meine Medis selbst ab und es erging mir sofort besser. Am Ende der Reise war aber auch die Blasenentzündung zurück und ich ging wieder zu meinem Hausarzt. Er sagte: „Es gibt keine schwächere Antibiotoika – nur andere“. Ich fragte, ob man diese Entzündung auch ohne Antibiotika weg bringen könne. Er riet mir, viel zu trinken, glaubte aber nicht, dass dies genüge. Ich überliess ihm die Medikamente auf dem Tisch und trank täglich einen Liter Granberrysaft. Nach einer Woche war die Entzündung weg. Seither halte ich mich an den roten Saft. Ist sehr zu empfehlen. HRJ

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