David gegen Goliat - ich gegen das Kernkraftwerk

Da fuhr ich mit Mädi in unserem verbrauchsarmen Citroen C1 (4,1 L/100 km) und hörte „Radio 32“. Natürlich kann ich der Werbung nicht entgehen. Habe ich richtig gehört ? "Wir produzieren CO2-freien Strom für Sie." sagt das Atomkraftwerk Gösgen in einem Werbespot. Das kann ja nicht wahr sein - eine Werbeaussage, die in keiner Weise zutrifft und dem Konsumenten weismachen will, dass er etwas Gutes tut, wenn er AKW-Strom kauft. Vor Jahren habe ich mich weitergebildet in Marketing und Werbung. Da dozierte man uns u.a. über das Gesetz des "Unlauteren Wettbewerbs". Damit verschafft man sich Vorteile gegenüber seinen Marktmitbewerbern und bereichert sich unrechtmässig. An den darauf folgenden Tagen achtete ich mich besonders auf die Werbespots von Radio 32. Ich hatte mich nicht verhört.

 

Ich schrieb in das Gästebuch und gab meiner Enttäuschung darüber Ausdruck, dass sich das Radio zu unlauterem Wettbewerb hergebe. Ich staunte, als ich eine mail erhielt, ich hätte unanständigen Text in das Gästebuch geschrieben. Man könne meinen Eintrag nicht veröffentlichen. Ich schrieb zurück, ich sei mir keiner Schuld in dieser Beziehung bewusst und ich hätte gerne eine Erklärung für ihr Verhalten. Ich verlangte die sofortige Abschaltung des Spots. In der nächsten mail von Radio 32 wurde mir mitgeteilt, dass mein Text jetzt doch aufgeschaltet sei. Jedoch kein weiteres Eingehen auf meine Vorwürfe.

 

 

Ich sehe schon, das führt zu nichts, dachte ich. Der Auftraggeber ist schliesslich der Verantwortliche. Ich schreibe an die Geschäftsleitung des AKW Gösgen. Ich bezichtige die Firma des unlauteren Wettbewerbs. Meine Begründung: Es sei schlicht nicht möglich Elektrizität mit Nuklearenergie zu erzeugen ohne dabei CO2 zu produzieren. Man denke nur an all die Transporte für nuklearen Abfall, die Wiederaufbereitung, Bau, Unterhalt und Rückbau des AKW am Ende der Laufzeit, Suche und Realisation der Endlager für nukleare Abfallentsorgung  etc. Ihr Spot sei schlicht eine Verarschung der Konsumenten von A bis Z.

 

  

Die erste Antwort des AKW kam vom Marketing. Der Pressesprecher des Unternehmens weile derzeit im Ausland und man bitte um etwas Geduld. Ich merkte schon, man wollte Zeit gewinnen und immerhin eine gut fundierte Antwort geben. Nach zwei Wochen kam diese, aber ich staunte über die Dreistigkeit. Die Werbeaussage beziehe sich nur auf die eigentliche Stromherstellung. Da keine Kohlen verbrannt würden stosse man kein CO2 aus. Zudem sei Nuklearstrom nicht nur der sauberste sondern auch der günstigste Strom. Nun jagt es mir den Nuggi raus. Ich schreibe dem Neunmalklugen zurück, ob man denn alle Kosten von der Planung, Herstellung, Betrieb und Rückbau des AKW nach Stilllegung schon mal überschlagen habe ? Ich würde vermuten, dass es sich nicht nur um den gefährlichsten, sondern auch um den teuersten Strom aller Zeiten handle, wenn man die Rechnung "mit dem Wirt" mache.

 

Es war mir klar, dass ich darauf nie eine Antwort erhalten würde. Darauf kann man gar nicht antworten ohne sich lächerlich zu machen. Ich muss also ein neues Vorgehen ausdenken. Ich surfe ein bisschen im Internet und werde fündig. "Kommission gegen unlauteren Wettbewerb". Die Vorsitzende ist Bundesrätin Doris Leuthard. Ich entdecke zu meiner Freude ein Formular, mit dem jeder Bürger Missstände melden kann. Ich beschreibe meinen "Fall". Ich bin schon sehr überrascht, als ich einen Brief der Kommission erhalte mit dem Bescheid, man habe das AKW Gösgen aufgefordert, innert 10 Tagen zu meinen Vorwürfen Stellung zu beziehen. Jetzt ist aber was los, mir richten sich die Nackenhaare auf:

 

Prozessverlauf: Aufforderung an AKW, Stellung zu beziehen, Frist 10 TageAKW: Bitte um Aufschub von 2 WochenKommission an AKW: Dem Aufschub wird stattgegebenBegründung des AKW an die Kommisssion Beschluss der Kommision: Tatbestand des unlauteren Wettbewerbs sei vollumfänglich erfüllt. Verfügung: der Werbespot sei mit sofortiger Wirkung zu stoppen. Ich hatte schon während des Prozesses festgestellt, dass der Spot zurückgezogen wurde. Es ist zu vermuten, dass die Rechtsanwälte des AKW Gösgen schon relativ früh zum Schluss kamen, dass die Sache aussichtslos sei. Meine Freude war riesengross - eine Genugtuung sondergleichen: David gegen Goliath. Jordi, der kleine, schräge Rentner, gewinnt gegen das grosse AKW Gösgen. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Astrid (Sonntag, 27 September 2020 13:33)

    Ihr seit eine super Band!!! Toller Konzertbesuch voriges Jahr - Vielen Dank an alle für eine sehr gelungene Vorstellung. Das www.trueffelhang.at - Team kann eure Gruppe nur weiterempfehlen. Es war ein gelungener Abschluss von unserem Betriebsausflug. Viele Grüsse und weiter so